Verfasst von: Felix Arnst | 15. November 2008

Lesen macht doof II.

eulenspEs ist noch gar nicht so lange her, da bezog ich mich bereits einmal auf die gleiche Überschrift, auch damals merkte ich an, dass dies pauschal nicht stimme und es hingegen lediglich wichtig sei zwischen verschiedenen Quellen ordentlich zu differenzieren und manchmal besser weiter zu recherchieren.

Dies ist in diesen Tagen auch im Internet immer öfter genau der Punkt:

Würde man sämtlichen Unsinn mit einem grossen Radiergummi in der Lage sein aus dem Internet zu löschen, gäbe es sicher mehr als 2/3 der heutigen Webseiten nicht mehr, bei den Internetseiten zum Thema Do- Khyi ist das Verhältnis sicher noch weitaus ungünstiger.

Dazu braucht man gar keine Beispiele zu nennen, wenn man sich im Web etwas genauer umsieht gewinnt man unweigerlich schon recht schnell diesen Eindruck, da bei einem inhaltlichen Vergleich der Eindruck entsteht, dass über 70% dieser Webmaster lediglich voneinander abzuschreiben scheinen. Daher kann man dieses Thema  betreffend, auch von der Duplizität allgemeiner Unbedarftheit, bzw. der vielerorts mangelnden oder nicht wirklich vorhandenen Bereitschaft sprechen, ein Thema wirklich etwas ernsthafter aufzugreifen zu wollen. Wirklich beurteilen kann ich dies natürlich nur für den deutschsprachigen Raum, möglicherweise gibt es ja gute Webseiten über den Do Khyi in Tunesien, Finnland oder gar in Fernost, ohne das ich diese bisher dort gefunden hätte?

Man muss die obere Aussage also genauer präzisieren auf:

An den falschen Stellen zu lesen macht dumm! …manchmal sind dabei allerdings auch gehörige Steigerungen möglich.

Ich sag es nicht gern, aber ich kenne derzeit eigentlich nur eine einzige (bis vor einigen Jahren waren es zwei) Webseiten die sich ausser dieser hier etwas tiefer gehend mit dem Do Khyi beschäftigt hätte, wenngleich auch dort seit einigen Jahren bereits Funkstille herrscht. Schade eigentlich. Der Rest sind eher mehr oder weniger inhaltslose Züchter-,  Halter- Visitenkarten oder Geschreibsel, dass ich nicht wirklich ausführlicher beschreiben möchte.

Ich wollte aber eigentlich auf Inhalte im Internet zurückkommen:

Eine meiner primären Quellen rund um den Hund ist seit vielen Jahren die Hundezeitung, ich kenne sonst keine Internet- Publikation mit einer fachlich vergleichbar guten Reputation. Was dort steht kann man bedenkenlos im Hinterkopf abspeichern.

Aber selbst dort gibt es teilweise (allerdings recht selten) Formulierungen die ich nicht so recht nachvollziehen kann.

Unter anderem die Folgende:

Zitat:

„Geradezu komisch ist der neu eingeführte Begriff einer Hundeautorin: „Lagerhund“. Ist das die typische Beschreibung einer Eigenschaft, wenn ein Hund sich mal eben „ablagert“? Lagern sie eigentlich nur? Oder meint sie damit Straflagerhunde? Oder lagerte man diese Hunde aus? Nein, sie meint Hunde, die früher ums Zelt oder Haus lagern. Lagerten oder lagern nicht zeitweise alle Haushunde?“

Dies wundert mich denn doch etwas, da ich den Begriff des Lagerhundes schon seit über 40 Jahren kenne. So neu kann dieser daher kaum sein. Selbst im Bertelsmann Lexikon aus 1964, genauer im Teil Tierbuch 1, Seite 363, kommt dieser Begriff als Familienumschreibung für Doggen und Doggenartige vor.

Wobei es natürlich völliger Unsinn ist den Do- Khyi dort mit aufzuzählen, dieser hat dort nichts zu suchen, was für das Jahr 1964 wohl aber nicht weiter ungewöhnlich ist. So sind Do- Khyi dort auch noch unter „Landraubtiere“ zu finden.

Hier ein Scan der betreffenden Seite:

lagerhund

Unter Google findet sich dazu lediglich ein Haufen Unsinn wie z.B. dieser hier:

Lagerhund: Wenn der Lagerhund Hundebier trinkt, dann nur Lagerbier…

Wer dies gelesen hat ist anschliessend sicher kaum klüger, auch wenn es so im Internet zu lesen steht. Wie gesagt, auf einigen Webseiten zum Do- Khyi geht es so, oder annähernd ähnlich „sachkundig“ zu.

So kommt man mit dem Internet allein nicht immer wirklich weiter, wenn man eine Materie wirklich sachgerecht und inhaltlich richtig zutreffend recherchieren möchte.

Um den Begriff des Lagerhundes klären zu können, muss man diesen kennen und wissen wo etwas dazu zu finden ist oder zu finden sein könnte, eigentlich ganz einfach.

In gleichem Quell- Artikel findet sich jedoch eine sehr gute Beschreibung von Herdenschutzhunden, die zutreffender kaum sein könnte. Wobei es ja selbst zum Begriff Herdenschutzhunde und der Zugehörigkeit der Do- Khyi in diese Gruppe  sogar schon unterschiedliche Ansichten gibt. So kenne ich auch jemanden der sehr davon überzeugt ist, dass der Do- Khyi in die Gruppe der Hirtenhunde gehören sollen. Dazu sag ich nicht mehr viel, dies ist es schlicht nicht wert zu diskutieren. Offenbar war diese Ansicht vor etwa drei Jahren in Mode?

Die Hundezeitung sagt dazu nämlich folgendes:

Zitat aus gleicher Quelle:

„Herdenschutzhunde:

Diese extrem wachsamen und schützenden mächtigen Spezialisten werden als Hirtenhunde falsch eingeordnet.

Zutreffender wäre „Territoriums-Wach- und Schutzhunde“, weil sie nicht nur Herden bewachen, sondern alles, worauf sie bereits als Welpe geprägt wurden und fort an als ihr Territorium ansehen. Ein Herdenschutzhund ähnelt im Charakter viel mehr einer Katze als ein Schäfer- oder Hirtenhund. Es sind keine Hunde für jene, die leichtführige und soldatische Hunde bevorzugen, schon gar nicht für Schutzhundler. Druck und ständige Unterordnung ist Gift für die im Schutztrieb kompromisslos handelnden Hunde. Diese Hunde müssen, als Ersatz für ihre ursprüngliche Aufgabe, um so stärker auf Menschen sozialisiert werden. Ihr Bewegungsbedarf ist mindestens durchschnittlich, reine Wohnungshaltung tabu. Zu dieser Hundegruppe zählen rund 20 grosse bis sehr grosse Typen (Rüden mindestens 65 bis fast 90 Zentimeter Schulterhöhe, mindestens 40 bis über 70 Kilo). Zu den bekanntesten, meist weissen Typen zählt der Kuvasz, der Pyrenäenberghund (oft mehr als 70 Kilo), dessen Verwandter Mastin de los Pirineos; noch schwerer wird der molosside Mastín Español. Weitere: der pflegeträchtige, daher nur draussen zu haltende zotthaarige Komondor, der westtürkische Akbash (kurz-, mittel- und langhaarig), die nationalen Varietäten des Kuvasz wie Podhalanski, Cuvac und Maremmano-Abruzzese; in Nordgriechenland gibt es den Hellenikos Pimenikos. In Mittelrussland bis in den Kaukasus die weissgescheckten bis wolfsfarbenen Owtscharka-Varietäten, die ähnlichen, aber etwas kleineren Sarplaninac und Carpatin aus Jugoslawien und Rumänien, der ebenfalls verwandte nordosttürkische Karshund und aus dem Iberischen den Alentejo und Estrela. Der osttürkische Sivas-Kangal und tibetische Do-Khyi („Anbindehund“, kuriose Einordnungsversuche in -Mastiff oder – Dogge) übernehmen ebenfalls diese Aufgaben.“

——————————————

Da schau mal an Frau Professor ohne jede Profession, wieder so ein Punkt wo doch der Arnst schon vor ein paar Jahren ebenfalls ganz deutlich anderer Ansicht war. Nun hat man also auch dies schriftlich …undzwar auch bezüglich der Rassebeschreibung des Do- Khyi mit Hinblick auf deren natürliche Wach- und Schutzhundanlagen. Mit etwa gleichem Wortlaut habe ich es damals schon beschrieben, dazu wurde mir jedoch unterstellt ich würde den Do- Khyi unnötig „scharf“ beschreiben.

Es geht aber noch weiter:

Etwa ein paar Monate später, vor über drei Jahren, las ich von gleicher „Autorin“ verfasst, eine Rassebeschreibung des Do- Khyi. Dort stand allen ernstes sinngemäss, dass der Do- Khyi ein gegenüber Fremden freundlicher Familienhund sei.

Originaltext, Zitat:

„So sind die tibetischen Hunde bis heute in ihren Handlungen oft eigenständig und selbstbewusst, zurückhaltend aber freundlich Fremden gegenüber, immer aber wachsam und im Bedarfsfall wehrend.“

Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen steht diese Beschreibung, so wenig zutreffend und geradezu abwegig diese inhaltlich ist, sogar auf den Webseiten eines Kleinstverein, der sich künftig wohl auch etwas ernsthafter mit unserer Hunderasse beschäftigen möchte oder sollte, dies zumindest seit etwas über drei Jahren schon plant, soviel ich weiß.

Ich verstehe nicht, wie man gegenüber oft noch völlig unbedarften Rasseinteressenten eine so derart beschönigte Beschreibung zu einer Hunderasse veröffentlichen kann? Was erklärt man solchen Welpenkäufern anschliessend, wenn aus dem flauschigen kleinen Welpenbündel ein oftmals über 60 KG schwerer, sehr kompromissloser Wächter geworden ist, der gelegentlich Nachbarkatzen, Kleinhunde und sonstige Eindringlinge des zu bewachenden Terrain, sehr selbständig verschwinden lässt oder auch nur entsprechend (wie selbstverständlich und über tausende von Jahren gewohnt) immer zuerst abwehrt? Wobei die „Eindringline“ nicht selten auch zweibeinig sein könnten.

Ein Do- Khyi macht da keinen Unterschied.

Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder der Hund ist Fremden gegenüber freundlich oder abwehrend. Was denn nun?

Do- Khyi wehren Fremde ab!immer selbständig und sehr deutlich selbstbewusst, solange diese nicht vom zuständigen Menschen daran gehindert werden, und auch dann nur sehr unwillig.

…für die im Schutztrieb kompromisslos handelnden Hunde!, so steht es nicht nur in der Hundezeitung, so ist dies auch, und nicht anders. Wer die Rasse anders darstellt der weiß entweder nicht wirklich wovon er redet, oder stellt diese ganz bewusst völlig falsch dar.

Woher die Autorin des Satzes der zu Fremden gegenüber „freundlichen“ Hunde, diese Weisheiten hat, ist mir bis zum heutigen Tage tief verborgen geblieben, schlüssige Erklärungen habe ich zu solchen oder ähnlich sachfremden Behauptungen jedenfalls nie gehört, gelesen oder sonstwie erhalten. Wenn man wie ich jeden Tag bei seinen eigenen Hunden ein völlig anderes Verhalten beobachten kann, kann man kaum an sich halten wenn man solch einen für die Allgemeinheit geradezu gefährlichen Unfug liest.

Viel schlimmer noch:

Der gesamte Verein weiß es bis zum heutigen Tage scheinbar nicht ein Stück weit zutreffender, denn diese völlig abwegige Aussage steht heute noch auf deren Webseite, öffentlich für jeden lesbar, offenbar ohne das sich dort schon jemals irgendwer von diesen „Rassespezialisten“ daran auch nur gestossen hätte.

Wo von aussen auf mancher Wundertüte „Labrador“ drauf steht, kann also gelegentlich auch durchaus einmal „Dracula“ drin sein.

„Labrador“ verkauft sich halt wesentlich leichter.

Hier sollte der Vollständigkeit halber aber auch angemerkt werden, dass es auch Do- Khyi Vereine gibt wo eine solch derart sachfremde u. den Do- Khyi als Mitglied der Familie der Herdenschutzhunde völlig verharmlosende Beschreibung, ehrlicherweise nicht gebraucht wird.

Darum sage ich, dass es einen gewaltigen Unterschied machen kann woher Informationen stammen und wie aussagekräftig und real zutreffend diese schlussendlich sind. Auf das Internet ist in solchen Fällen jedenfalls nur bedingt Verlass, wie sich immer wieder zeigt.

Wie sollen informationssuchende Welpeninteressenten dies jedoch erkennen bzw. noch rechtzeitig erfahren, wenn sämtliche Personen eines Verein es offenbar selbst nicht besser wissen bzw. bis heute angeblich noch nicht wirklich fundiert verinnerlicht haben?

So wünschte ich mir manchmal im Internet den sprichwörtlichen Radiergummi öfter einmal in die Hand nehmen zu können, sogar wesentlich öfter als manchmal. Ich bin doch einmal sehr gespannt wann ich wieder einmal etwas positives rund um oder neben der Rasse mitteilen kann?

Till da oben kannte diese und ähnliche Eulenspiegeleien nur zu gut.

Wikipedia war so freundlich mir dieses Foto auszuleihen.


Responses

  1. Hallo Felix

    ich fasse mich kurz.

    Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir noch nicht sicher.

    Albert Einstein
    deutsch-amerikanischer Wissenschaftler und Physiker
    1879 – 1955

  2. Hallo Lutz,

    da haben wir beide nun also schon drei Dinge gemeinsam:

    – das Bloggen
    – die Vorliebe für Zitate des alten, weisen Alfred

    UND das Vermögen Unsinn als solchen zu erkennen, erklären und damit entlarven zu können.

    Eigentlich sollten wir gelegentlich etwas mehr davon an die Bedürftigen abgeben?

  3. Hallo Felix,

    wir sind beide (pardon) jenseits der 50 und damit außerhalb jeglicher Zielgrupppe. Das Wort „Silversurfer“ lasse ich für mich nicht gelten, denn angesichts dieser, von dir beschriebenen und auch meinerseits festgestellten Defizite, liegt der Nachholbedarf ganz woanders.

    Und…
    Geben ist seliger denn nehmen.

    Das Einzige was ich nicht gebe, ist mich geschlagen.

    Ansonsten ist es hier zu Lande recht schwierig, nicht als „Neunmalkluger“, „Oberlehrer“ oder weiß-der-Geier-was tituliert zu werden, so man fehlerfrei die Jahreszeiten aufzusagen in Stande ist und das auch noch in der richtigen Reihenfolge.

    lG
    Lutz

  4. Hi Lutz,

    den „Silversurfer“ müssen wir uns schon gefallen lassen, ich zumindest, wohl schon augenscheinlich.

    Falsch ist daran auch nichts, denn es kann nichts schaden wenn man Dinge mit etwas mehr (eigener) Erfahrung und dafür umso weniger mit dem Bauch betrachtet u. beschreibt.
    Ich sehe im Internet primär die Möglichkeit etwas für mich selbst (an den dazu geeigneten Stellen) mitzunehmen und wechselseitig meinen Teil dazu beizusteuern. Meine Auswahlkriterien habe ich oben vorgestellt, was andere machen oder wovon sich diese leiten lassen, bleibt natürlich jedem selbst überlassen.

    Impulse lassen sich wechselseitig nutzen, solange man in der Lage ist diese halbwegs richtig einzuordnen.

    Die meissten Surfer können dies.

    Erst an diesem Wochenende noch konnte ich einer Do- Khyi Interessentin (die schon von berufswegen eher zu der in Bezug zu Rassehunden besser informierten Gesellschaftsgruppe zählen dürfte) ein paar Tipps zu rassespezifischen Bereichen mit auf den Weg geben, völlig frei von jedem eigengeprägten Interesse am Verkauf von Welpen, dies ist der Unterschied den bestimmte Leute einfach nicht wahr haben möchten.

    Klar, der Kreis solcher Personen gehört auch kaum zu meinen Empfehlungen.

    Die Frage ist doch viel mehr, warum wurde ich dazu gefragt, dass Internet ist gross?

    Die Antwort ist auf vielen Artikeln in diesem Blog recht prägnant nachzulesen, ob dies nun manchen Leuten gefällt oder nicht. Allein die Inhalte machen also auch heute noch das Internet aus, es freut mich immer wieder dies bestätigt zu bekommen. Dies Thema haben wir schon vor geraumer Zeit einmal diskutiert.

    Ich komme immer wieder einmal rüber zu Dir auf Besuch und weiß auch dabei sehr genau warum.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: