Verfasst von: Felix Arnst | 24. September 2008

Salomon ist leider schon lange tot!

5.000.- Rappen wollte man sehen!

Gestern habe ich die Berufungsverhandlung zu unserer (nunmehr früheren) Hündin Nikki vor dem Landgericht Kiel verfolgt, die auf Veranlassung meiner Ehefrau dort stattfand.

Als selbst in die Sache involvierte Person bin ich als „Gerichtsreporter“ wohl eher ungeeignet, nehme den Verlauf der Verhandlung jedoch zum Anlass mich auf meine Weise von unserer lieben Nikki zu verbschieden. Mir fällt es ausgenommen schwer nachfolgend sachlich zu bleiben und werde dennoch darum bemüht sein.

Es ist ein sehr emotionales Thema, wenn man weiß, wie stark man einem Tier innerlich verbunden sein kann, wie sehr es schmerzt solch ein Tier dann aufgrund der geschilderten Zusammenhänge für immer zu verlieren und sich dazu noch den Hohn von Personen anzuhören, denen es an der inneren Feinabstimmung und Gesinnung fehlt, dies auch nur im Ansatz nachvollziehen zu können. Ich möchte nachfolgend aber eher über Nikki und deren Schicksal schreiben.

Sicher wird es auch den einen oder anderen Leser geben der meine Sichtweise teilen kann.

Von der Gegenseite war natürlich nur der Anwalt zugegen, wer hätte tatsächlich etwas anderes erwartet? Uns ging es um das Tier, darum waren wir bereit uns dort auch gern ein letztes Mal zu engagieren, gleich wie es ausgehen sollte, wussten wir sehr genau was wir Nikki schuldig waren. Die Gegenseite hatte wohl keine Zeit.

Angestrebt war dort ein Urteil des Amtsgericht Rendsburg zu revidieren, dass in 2007 erging und fortan ein ruhiges Leben der Hündin im Kreise derer, wo sich Nikki immer geborgen und sicher fühlte, zu gewährleisten.

Kurz nach Verkündung des damaligen Urteils in erster Instanz, hatten wir versucht uns mit der Klägerin im Sinne des Hundes aussergerichtlich zu einigen.

Wir hatten ihr damals von einem Anwalt anbieten lassen für den Hund noch einmal volle 1.500.- Euro zu zahlen, damit der Hund Zuhause bleiben kann, zuzüglich zu der Summe von 400.- Euro die bereits gezahlt worden war. Die Klägerin nahm das Angebot nicht an und hat uns durch ihren Anwalt ausrichten lassen, dass gegen eine Zahlung von 5.000.- Euro und der Einstellung sämtlicher gegen die Person der Züchterin von uns zu anderen Zusammenhängen erstatteten Anzeigen, darüber „nachgedacht“ werden könne ob dieser „wertvolle Zuchthund“ bei uns bleiben dürfe.

Solch eine, völlig überzogene Forderung haben wir natürlich abgelehnt, von da an bestand diese freundliche und überaus tierliebende Züchterin auf unbedingte Herausgabe der Hündin und versuchte diese sogar „vorläufig“ bei uns zu pfänden…

Ja es stimmt tatsächlich, es standen im Frühsommer 2007 der Gerichtsvollzieher, eine Veterinärin und unsere Gemeindepolizisten vor der Haustür um diese Geschichte antragsgemäß umzusetzen, was nicht möglich war, weil der Hund nun einmal nicht zugegen war.

So blieb uns nur die Berufung um den Hund auch weiterhin vor dem Zugriff einer Person schützen zu können, der an dem Tier selbst nichts, aber auch rein gar nichts lag.

Soviel zur Tierliebe der Züchterin und deren tatsächliche Beweggründe, 5.000.- Rappen wollte man sehen, sonst würde man uns den Hund weiterhin per Gericht wegnehmen wollen. Dies ist eine der Tatsachen, die der Anwalt der für uns seinerzeit verhandelte jederzeit bezeugen kann.

Aber wen interessieren im Zusammenhang mit Nikki noch Tatsachen?

Es war also unser Ziel dies zu verhindern, wozu wir in den vergangenen zwei Jahren fast alles nur Mögliche und auch beinahe schon Unmögliches unternommen haben, damit Nikki Zuhause bleiben kann, wo wir uns zusammen schon über ein Jahr wohl fühlten, nichts anderes.

Die Gegenseite hatte andere Ziele und brachte dazu mehrfach Einlassungen vor Gericht vor, zu denen ich mich nicht mehr äussern möchte und werde, da diese kaum noch mittels einer allgemein verträglichen Wortwahl zu beschreiben sind.

Schon das erstinstanzliche Urteil war (nach Beurteilung unserer später beauftragten Anwälte) rechtsfehlerhaft, da dort auf viele Aspekte (aus Käufersicht) die der zugrundeliegende Kaufvertrag beinhaltete u. von der Züchterin definitiv nicht eingehalten worden sind, völlig unberücksichtigt blieben. „Dies hätte man alles schon während der ersten Instanz klären müssen“ – meinte der vorsitzende Richter gestern, und ging sonst auf die (aus meiner Sicht wichtigen) Fakten nicht weiter ein.

Zu keiner Zeit, weder vor dem Amtsgericht Rendsburg noch bei der gestrigen Verhandlung in Kiel hatte ich den Eindruck, dass es in den beiden Verfahren auch nur einen Moment lang um ein Lebewesen mit Ängsten und Bedürfnissen – oder wenigstens sekundär, auch um die Menschen gegangen wäre, die im Umfeld unter den bisherigen und der dort zu erwartenden Entscheidung zu leiden haben werden.

Zu meinem persönlichen Rechtsempfinden möchte ich nicht mehr viel anmerken, wenn schon aufgrund unwahrer (aber leider nicht beweisbarer) Behauptungen ein Prozess überhaupt erst stattfinden kann, warum nicht auch dieser?

Selbst formaljuristische (selbst mir als Laien durchweg einleuchtende) Standpunkte und Einwände waren in der gestrigen Verhandlung strittig und wurden vom Gericht schlichtweg nicht geteilt.

Wir hatten gestern zu entscheiden ob wir einer Erledigung zustimmen oder den Weg (nachdem wir auf ein Urteil bestanden hätten) über eine Verfassungsbeschwerde gehen, denn nach Ansicht unseres Anwaltes wurde der bisherige Verlauf (besonders gegen Ende) des Prozesses als „Versagung rechtlichen Gehörs“ bewertet.

Besonders haben mich (neben meiner tiefen Betroffenheit über die Art und Weise der Verhandlung, dabei speziell die Aussagen WIE ein Richter oder eine Richterin dort zu den rechtswirksamen Standpunkten gelangt) die Tatsache, dass der Vorsitzende Richter sich Bilder von Nikki ansah u. wortwörtlich anmerkte, er habe tatsächlich einige Webseiten zu „Do Chai“ (er meinte wohl Do-Khyi) besucht und dabei festgestellt, dass Nikki wohl „augenscheinlich“ reinrassig sein müsse…

Dies möchte ich nun wirklich nicht einmal mehr kommentieren.

Ich bin als dort einzig vorhandener Zuschauer im Gerichtssaal in schallendes Gelächter ausgebrochen und wurde daraufhin beinahe des Saales verwiesen, nachdem ich mir nachfolgend einen weiteren Kommentar zu Aussagen leistete, die aus meiner Sicht, völlig sachfremd waren – jedoch letztlich prozessentscheidend sind/waren, ohne dass man dazu als 1000 X eher Sachverständiger zur Rasse Do Khyi u. Ehemann der Betroffenen, auch nur zu Worte gekommen wäre.

Dazu war es auch ausgesprochen interessant vor einem Landgericht zu erfahren, dass ein als „Familienhund“ verkaufter Hund nach Ansicht des Gerichtes gar nicht unbedingt reinrassig sein müsse??

Demnach muss wohl künftig nicht mehr wirklich erwartet werden, dass ein laut Kaufvertrag als Do Khyi verkaufter Hund für 1.500 Euro, anschliessend bei Übernahme durch den Käufer dann auch tatsächlich ein Hund der Rasse Do Khyi ist?

Ahnentafeln seien ohnehin nicht ausschlaggebend für die Abstammung oder den Wert eines Hundes, wusste der Richter zusätzlich ebenfalls anzumerken.

Da frage ich mich doch, warum dieser Aufwand eigentlich überhaupt und weltweit von Vereinen, Verbänden und anderen (ordentlichen) Züchtern betrieben wird? Warum müssen Züchter Wurfabnahmen durchführen und Ahnentafeln ausstellen lassen, wenn diese doch scheinbar völlig überflüssig und für den Hund angeblich unbedeutend sind?

Dieser Aufwand wird allein im VDH etwas mehr als 500.000.- Euro jährlich, mit allen begleitenden Kosten verschlingen. Wozu eigentlich? Demnach gelten künftig offenbar allein die Behauptungen eines einzelnen ( durch dortigen Rauswurf wegen erheblichen Sazungsverstössen, nicht einmal mehr dem FCI angehörenden) Züchters – ob ein Hund reinrassig ist oder sonstwoher auch immer abstammt? Kann man so etwas noch nachvollziehen?

Wie auch immer:

Als Verbraucher (Welpenkäufer) stellt man sich bei solchen Interpretationen zur Rassehundezucht recht schnell die Frage, wo dabei ein halbwegs sinnvoller Käuferschutz abbleibt bzw. gar nicht mehr vorhanden ist?

Solche Überlegungen sind im oben beschriebenen Falle und für meine Familie (für Nikki sowieso) jedoch eher sekundär.

Sachlich (bezogen auf mögliche Bedürfnisse des Hundes oder der Menschen) gab es dort nichts mehr zu erörtern, lediglich formaljuristische Begleitumstände wie mögliche Kosten usw. schienen dort im Fokus zu stehen.

Nach kurzer Beratung erklärten wir uns (so wie die Gegenseite schon vorher), nach genauer Betrachtung der Haltung des Gerichtes, ebenfalls dazu bereit unsere Anträge zurückzuziehen und die Sache als erledigt zu erklären.

Das Landgericht ist angesichts des geringen Streitwertes die zweite aber letzte Instanz, die zu Nikki angerufen werden konnte, mehr konnten wir für unseren Hund nicht mehr tun.

Ende der Fahnenstange.

Mein Fazit:

– erwarte nie, dass ein Vertrag von beiden Seiten eingehalten wird, besonders dann nicht, wenn es um Hundezucht geht und zu Teilbereichen lediglich mündliche (ursprünglich durch die Züchterin angebotene, damals freundschaftliche) Nebenabsprachen getroffen wurde, es gibt in schlechten Zeiten mind. eine Seite die sich daran nicht mehr erinnern kann/will

– erwarte nie, dass ein früherer Freund Dir auch immer freundlich gesonnen bleibt, wenn es ein Hundezüchter ist

– erwate nie, dass das Wort eines angeblichen Freundes auch in kontroversen Zeiten noch gilt, wenn es ein Hundezüchter ist

– erwarte nie, dass Zahlungen an „Freunde“ – ohne Quittungen, auch in schlechten Zeiten noch existent sein könnten

– erwarte besser nicht, dass manche Menschen sich vor Gericht an die Wahrheit halten könnten und diese dort auch zugeben

– erwarte auf keinen Fall, dass solche Grundsätze von anderen Beteiligten geteilt werden, wenn man über andere Themen in Streit gerät

– erwarte bitte nicht, dass Behörden oder Gerichte sich um der Sache willen mit deinem Problem beschäftigen könnten

– erwarte niemals, dass es Menschen geben könnte, die sich um die Belange eines Tieres wirklich scheeren könnten

– erwarte keinesfalls, dass Anstand, Moral oder auch nur Stil in unserer Gesellschaft noch einen Pfifferling wert sein könnte, schon gar nicht bei Personen denen solche Werte offenbar nichts bedeuten

– erwarte von manchen Züchtern nicht, ( die – wie Du erst viel später erfährst, aus dem Verband flogen und fortan völlig „vogelfrei“ hantieren können und an keinerlei übergeordnete Satzungen, Vereine etc. gebunden sind) dass sich diese im Sinne einer akzeptablen Haltung gegenüber Welpenkäufern verpflichtet fühlen oder auch nur dem Welpen selbst gegenüber, ordentlich verhalten könnten

– erwarte nie, dass andere Menschen sich so verhalten wie du selbst es erwarten dürftest

– erwarte also absolut nichts! …dann wird es auch künftig kaum unerfüllte Erwartungen geben.

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Nun wird Nikki also genau dort wieder leben, wo sie bisher ALLEIN ANGST vor einem einzelenen Mann zeigte und bei seinem Anblick selbst nach einem Jahr noch unter sich urinierte, bei uns war dies nie der Fall, wie diverse Besucher noch sehr gut in Erinnerung haben werden.

Dass solche Umstände, und die Tatsache zu unserer nachvollziehbaren Zustimmung zur Prozesserledigung von anderer Seite, anderenortes als „Prozessgewinn“ dargestellt werden, liegt wohl in der Natur der Person, die wohl nur so empfinden kann.

Schade nur, dass der Hund nicht entscheiden konnte, der Prozessgewinner sähe wahrscheinlich „Auf nimmer Wiedersehn!“ nur noch das Hinterteil von Nikki am Horizont verschwinden!

Hunde oder deren Bedürfnisse haben offenbar keine wirkliche Lobby, nicht einmal bei manchen Züchtern. Aber auch einige Halter haben mir in den letzten zwei Jahren gezeigt, dass Hunde, Hundebedürfnisse oder Tierschutz im Allgemeinen und der Schutz von Nikki im Speziellen, tatsächlich nicht deren wirkliche Vorliebe sein kann. Es sei denn, es ginge einmal um den eigenen Hund, dann sähe natürlich alles ganz, ganz anders aus, oder auch dann nicht?

Ich hoffe nun nur noch, dass Nikki es künftig auch anderswo einigermassen antreffen wird.

Dem Hund wäre endlich zu wünschen, dass die Person, die ihr die letzten zwei Jahre mit aller Gewalt ein ordentliches Zuhause und die Bindung an ihre Leute vorenthalten hat, nun endlich das Interesse an Nikki verliert und diese damit endlich zur Ruhe kommen lässt.

Das Gegenteil ist leider sehr viel wahrscheinlicher.

Salomon hätte Nikki ganz gewiss nicht der Person zugesprochen, die ihr sinnbildlich die Vorderpfoten und wenn es sein müsste auch noch den Kopf ausgerissen hätte, nur um ihrer unbedingt habhaft werden zu können bzw. um mit aller Gewalt zu verhindern, dass der Hund dort bleiben kann wo er sich heimisch und geborgen fühlt.

Wer sich also über oben geschildertes „Ergebnis“ freuen kann, der soll dies tun, Nikki wird gewiss ganz anderer Meinung sein, soviel ist sicher. Wir können sagen, dass wir taten was wir nur konnten, aber um Nikki ging es diesen Leuten ja schliesslich auch nie …undzwar zu keinem Zeitpunkt.

Wer einmal gesehen hat wie emotional fest Nikki an Birgit gebunden war, der weiß auch, was man Nikki damit ganz bewusst und gezielt angetan hat, über zwei Jahre hinweg und immer noch anhaltend.

Aus dem eigentlichen Ziel dass man ursprünglich verfolgte und billigend auf Nikkis Rücken auszutragen bereit war, wird nie etwas werden – und dies ist auch gut so!

Tschüss Süsse, wir vermissen Dich …und wissen leider, dass es auch umgedreht noch eine ganze Weile ebenso sein wird!


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