Verfasst von: Felix Arnst | 12. Juni 2008

Ja wo fliegen sie denn??

Vor vielen Jahren, nunmehr über 40, musste ich in der Schule ein Gedicht auswendig lernen und ein Referat dazu halten. Meine Mutter (als frühere Ehefrau eines Schuldirektors, eine gut belesene Frau) riet mir damals zu „Fink und Frosch“ von Wilhelm Busch …sicher wird sie sich damals etwas dabei gedacht haben.

 

 

 

Nur für die, die es bisher noch nicht kennen sollten:

Fink und Frosch:

Im Apfelbaume pfeift der Fink
Sein: pinkepink!
Ein Laubfrosch klettert mühsam nach
Bis auf des Baumes Blätterdach
Und bläht sich auf und quackt: »Ja ja!
Herr Nachbar, ick bin och noch da!«

Und wie der Vogel frisch und süß
Sein Frühlingslied erklingen ließ,
Gleich muß der Frosch in rauhen Tönen
Den Schusterbaß dazwischen dröhnen.

»Juchheija heija!« spricht der Fink.
»Fort flieg ich flink!«
Und schwingt sich in die Lüfte hoch.

»Wat!« ruft der Frosch, »Dat kann ick och!«
Macht einen ungeschickten Satz,
Fällt auf den harten Gartenplatz,
Ist platt, wie man die Kuchen backt,
Und hat für ewig ausgequackt.

Wenn einer, der mit Mühe kaum
Geklettert ist auf einen Baum,
Schon meint, daß er ein Vogel wär,
So irrt sich der!

So wusste Wilhelm Busch mit nur wenigen Sätzen zu vermitteln, wofür bei mancher Person ein ganzes Leben voller negativer Selbsterfahrung offenbar nicht ausreicht. Für meinen damaligen Aufsatz bekam ich (soweit ich es in Erinnerung habe) eine 3, nichts besonderes also. Aber merken kann man sich (in den folgenden 40 Jahren) recht gut, dass Frösche auch bei aller Anstrengung nie fliegen werden können.

Eigentlich erschließt sich jedem Leser dieser Zeilen recht schnell der Zusammenhang und auch der Hintergrund, den Wilhelm Busch mit diesem Gedicht vordergründig sicher angesprochen sehen wollte. Damals gelang mir dies im zarten Alter von unter 12 Jahren, einigermassen zu erfassen und darzustellen, denn ein Befriedigend befriedigte nicht nur meine, sondern auch die Erwartungshaltung meiner Mutter.

Frösche beim Fliegen-Wettfressen – MyVideo

Fliegen fangen, o.k., dies gelingt wohl jedem Frosch, aber auch nur bei den langsameren Exemplaren der Fluginsekten- und ist keinesfalls das Gleiche, was ein Vogel in der Luft zu leisten im Stande ist!

Und wenn man denn möglicherweise den Sinn der oberen Zeilen erfasst haben könnte, so wird es nachfolgend auch sicher möglich, den Folgenden ebenfalls etwas abgewinnen zu können: 

Schein und Sein

Mein Kind, es sind allhier die Dinge,
Gleichwohl, ob große, ob geringe,
Im wesentlichen so verpackt,
Daß man sie nicht wie Nüsse knackt.

Wie wolltest du dich unterwinden,
Kurzweg die Menschen zu ergründen.
Du kennst sie nur von außenwärts.
Du siehst die Weste, nicht das Herz.

War schon ein mächtig kluger Mann der alte Wilhelm Busch, dies bereits vor zwei Jahrhunderten, den auch das zweite Gedicht ist von ihm.

Die Moral dieser Geschichte ist und bleibt: „Frösche“ lernen das Fliegen nicht!… können in den Tropen mitunter recht bunt sein, ja sogar Gift verspritzen, aber weder vor 100 Jahren und auch im nächsten Jahrzehnt – wird es kaum einem Frosch jemals gelingen sich in die Lüfte zu erheben. Jedenfalls nicht für mehr als ein paar Meter, soweit eben, wie es die Beinmuskulatur hergibt, aber nicht einen Millimeter weiter.

Quellen: Bildquelle, Textquelle


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